Jeremy & Erbse
Andreas Ulichs “Jeremy und Erbse” ist das zweite Buch, das ein Zuhause auf Gut Pusteblume gefunden hat. Andreas und ich kennen uns mittlerweile schon über zehn Jahre - dank der “Gruppe 7”. Das ist ein Zusammenschluss von fränkischen Kinderbuchmenschen, der sich einmal im Monat, und zwar an jedem 7., in Bamberg trifft - oder auch mal um Bamberg herum.
Mittlerweile wohnt Andreas leider nicht mehr in Franken - aber zum Glück sind wir uns ja noch wunderpusteblumig verbunden!
Als letztes Frühjahr der erste Karton “Jeremy und Erbse” auf Gut Pusteblume gelandet ist, war Andreas passenderweise noch vor Ort und wir konnten uns, in der Sonne vor dem Wohnwagen namens “Pusteblümchen”, im Duett über die besondere Lieferung freuen.
Ihr wollt mehr über das Buch wissen?
Dann haben wir hier ein kleines Interview mit euch - Fragen von mir, Antworten von Andreas.
Lieber Andreas, wir brauchen einen knackigen Pitch:
Worum geht es in deinem Buch?
Der Pitch könnte aus den folgenden Schlagworten bestehen, die meiner Ansicht nach alles aussagen: Flucht – Freiheit – Vertrauen – Sehnsucht – Mut – Demut
Und wieso sollte man “Jeremy und Erbse” unbedingt lesen?
Um zwei liebenswerte und besondere Gestalten – Jeremy und seine Cousine Erbse – kennenzulernen, um sich mal wieder bewusst zu machen, welche Freiheiten wir hier in unserem Land genießen und wie großartig es ist, überall hin reisen und über alles reden zu können, und natürlich auch, um eine spannende Geschichte erleben zu können.
Wie bist du auf die Idee zu dem Buch gekommen?
Die Idee, etwas über die Deutsche Teilung zu schreiben, kam mir vor einigen Jahren schon, weil ich den Eindruck hatte, dass viele Kinder und Jugendliche – besonders im Westteil des Landes – über diese unfassbare Situation, die damals in Deutschland geherrscht hatte, viel zu wenig wissen.
Warum ist dir persönlich das Buch so wichtig?
Das hat viel mit meiner eigenen Biografie zu tun. Ich bin in West-Berlin aufgewachsen, hatte Verwandte und Bekannte im Osten und verbinde viele persönliche Erlebnisse mit der Deutschen Teilung. Die Bedrohung, die von den Grenzsoldaten ausging, die Tatsache, dass mitten durch das Land, mitten durch meine Stadt, eine Grenze gebaut worden war, die verzweifelte Menschen immer und immer wieder unter Lebensgefahr zu überwinden versucht hatten, das alles war für mich schon immer schwer zu verstehen gewesen.
Magst du ein bisschen über deine Arbeit daran erzählen. Wie gehst du beim Schreiben vor? Schreibst du (erstmal) aus dem Bauch heraus, planst du eher?
Oh, ich versuche immer wieder zu planen, eigentlich jedes Mal, aber dann wird es doch immer ganz anders. Meistens habe ich zu Beginn eine bestimmte Szene im Kopf, um die sich dann alles drumrum gruppiert, bis die Szene an sich dann gar nicht mehr wichtig ist. Meine Geschichten entwickeln sich oft von alleine, und ich muss sehen, dass ich hinterher komme. Genau wie meine Figuren. Die fangen recht schnell an, ihrem eigenen Kopf zu folgen und nicht meinem. Das kann manchmal anstrengend sein, aber meist ist es wirklich spannend, sich überraschen zu lassen und der entstehenden Handlung zu folgen – ihr quasi hinterher zu schreiben. In diesem Fall waren es übrigens die beiden Namen, die ich zuallererst im Kopf hatte. Der Rest kam dann Stück für Stück.
Du bist ja nicht nur Autor, sondern auch ausgebildeter Schauspieler und Sprecher. Hilft dir dein Schauspieler-Sein auch beim Schreiben? Und kannst du kurz erklären, wie?
Als Schauspieler musste ich jede Rolle, die ich spielen sollte, zum Leben erwecken, einen eigenen Charakter erschaffen, den ich selber erst einmal kennenlernen musste. Und das ist das, was ich mit den Figuren in meinen Büchern mache. Ich lerne sie kennen, lasse sie die Handlung übernehmen, versetze mich in sie hinein – selbst wenn es unangenehme Gestalten sind. Und wenn sich dadurch die von mir geplante Handlung ändert, um so besser. Durch meine Theaterarbeit ist mir außerdem die Suche nach der Dramaturgie einer Handlung in Fleisch und Blut übergegangen. Innere und äußere Bögen und Zusammenhänge finden, sich immer wieder vor Augen zu führen, was welche Wirkung hat und was sich im Handlungsgefüge durch einen neuen Vorgang ändert. Das ist oft wie Puzzlespielen, kann aber einen Riesenspaß machen.
Und was gefällt dir besonders am Beruf des Autors? Und was ist doof?
Ganz großartig ist, dass ich schreiben kann, was ich will und mir keiner sagen darf, wie und worüber ich schreiben muss oder soll. Ganz besonders doof finde ich aber, dass trotzdem viele genau das tun.
Magst du sonst noch was loswerden?
Lest Bücher! Legt die Handys weg und lasst Euch von geschriebenen Geschichten quer durch die Welt ziehen. Und wenn ein Buch bescheuert ist (was durchaus auch mal vorkommen kann), dann macht das nichts, denn es gibt genügend andere – nehmt Euch einfach das nächste vor!
Vielleicht fällt dir noch eine Frage ein? Mit Antwort! ;-)
Wie kommt es, dass Du, liebe Judith, so schlaue Fragen stellen kannst?
Weil Du eine gewiefte Kinderbuchautorin bist!
Leider wohnst du ja nicht mehr um die Ecke, aber vielleicht kommst du ja trotzdem mal wieder auf Gut Pusteblume vorbei! Das wär toll!
Das werde ich bestimmt. Nirgendwo ist Franken schöner als auf den Hügeln westlich von Staffelstein. Und welcher andere Verlag hat eigene Wollschweine, Katzen, Hunde, Hühner und Pferde!
Danke für das nette Interview, lieber Andreas – und wie toll, dass du dich getraut hast, als erster Autor bei Gut Pusteblume mitzumachen.
Ich danke Dir! Und ich kann im Gegenzug nur sagen: Toll, dass Ihr Euch getraut habt, mich und mein Buch zu pusteblumisieren. Es ist mir eine Ehre!

